Oberstedten, Zum Hainmüller 111

Krießlers Mühle 1925 mit Scheune

Bildpostkarte Kurheim Dr. Schneider 1959

 

Diese Mühle, zwischen Zinßmühle und Neumanns Mühle am Dornbach bzw. an dessen Mühlgraben gelegen, ist die fünfte der ehemals zwölf Oberstedter Wassermühlen. Sie wurde vermutlich im 18. Jahrhundert erbaut, eventuell sogar viel früher.

1803
Erste urkundliche Erwähnung als Papiermühle der Familie Hartert.

1810
Die Trockenscheune brennt nieder und wird neu errichtet.

1863
Johannes Krießler erwirbt das Anwesen. Die Familie betreibt hier über drei Generationen eine Pappenmühle. Das Mühlrad als Antrieb befindet sich im Mühlenschacht an der Nordseite des Mühlenhauses. Es wird gespeist vom dorthin geleiteten Dornbachmühlgraben.

1895
Großbrand, Vernichtung des Anwesens, Wideraufbau.

1920
Stilllegung des Wasserrad-Antriebs. Umstellung auf Elektromotoren.

1937
Ende des Mühlenbetriebs. Familie Krießler zieht um nach Oberursel an den Urselbach. Verkauf des Anwesens an Familie Arendt. Sie betreibt hier bis 1963 ein Kur- und Kindererholungsheim unter ärztlicher Leitung von Frau Dr. Schneider.

1963
Erwerb durch Franz Dinges. Er, später sein Sohn Rainer, betreiben über zwei Generationen eine Gärtnerei. Bekannt ist die Orchideenzucht der Gärtnerei Dinges. Sie schließt 1993.

Seit 1996
Erwerb durch Privateigentümer, Abbruch der Gärtnerei, der Gewächshäuser, Renaturierung der Grundstücke, Umbau der Gebäude.

Seit 1999
Wohnanlage in Eigennutzung als Hainmühlenhof.

Krießlers Mühle 1925

Die große Trockenscheune 1925, wo sich heute eine Streuobstwiese befindet. Hier wurden die geschöpften Pappdeckel getrocknet.

Friedrich Krießler schaut 1925 aus seinem Büro.

Kurheim Dr. Schneider1951

 

Die „Krießlers Mühle“ in der Straße Zum Hainmüller könnte die Mühle sein, die Johannes Hartert 1703 als Papiermühle übernahm, nachdem er die Hüttenmühle in Köppern verkauft hatte. Aus den Akten geht aber erst ab 1799 gesichert der Name Hartert als Besitzer hervor. Er klagte über schlechte Geschäfte in „nahrungslosen Zeiten“, weshalb er seine Mühlenpacht zeitweise nicht zahlen konnte. Auch sein Sohn klagte später als nachfolgender Müller darüber, dass er in den feuchten Wintern die Pappe nicht trocknen konnte und beantragte, einen zweiten Mahlgang als Mahlmühle errichten zu dürfen. Gegen die Proteste der anderen Müller in Oberstedten durfte er bis 1840 im Wechsel Mehl mahlen und Papier herstellen. 1840 verkaufte er die Mühle, die nach Zwischenbesitzern 1863 als reine Papiermühle in den Besitz von Johannes Krießler kam. Der nahm mit viel technischem Verständnis allerhand effektive Umbauten vor. Aber die Wassermenge des Dornbaches reichte trotzdem nicht mehr, weshalb die Nutzung des Wasserrades 1920 aufgegeben und die Mühle 1937 verkauft wurde.
Friedrich Kriesler übernahm nach dem Verkauf der Oberstedter Pappdeckelmühle die sogenannte „Klötzefabrik“ am Urselbach, eine ehemalige Wollspinnerei, die mit modernen Turbinen ausgestattet war. Hier stellte er umweltschonend Pappe aus Altpapier her. Durch erhöhte Anforderungen an den Umweltschutz (Gewässerbelastung) musste er 1981 die Pappenproduktion endgültig einstellen. Heute ist auf dem ehemaligen Gelände von Krieslers Pappenfabrik das beliebte Oberurseler Wohngebiet „Hans-Rother-Steg“.
Die Gebäude der ehemaligen „Krießlers Mühle“ in Oberstedten wurden als Kinder- und Kurheim und ab 1963 als Großgärtnerei genutzt. In der Gärtnerei Dinges züchtete man herrliche neue Orchideenarten, die auf internationalen Fachausstellungen hohe Auszeichnungen bekamen. Mit ihren Namen „Taunusgold“ und Beinamen Oberstedten, Oberursel u.ä. verliehen diese Orchideenarten unserem Ort auch international einen guten Klang. 1996 wurde die Gärtnerei durch neue Privateigentümer erworben, die Gärtnerei abgebrochen und das Gelände renaturiert. Die Gebäude der ehemaligen Mühle werden heute als Wohnanlage „Hainmühlenhof“ privat genutzt.

 

 

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